Heute mag ich wieder eine kleine Geschichte aus meinem Alltag mit dir teilen.
Es war ein gewöhnlicher Morgen, ich hatte keinen Termin und konnte mir Zeit nehmen für meine Morgenpraxis. Kaum war ich fertig klingelte es Sturm an der Tür – schon an der Länge des Klingelns erkannte ich, dass da richtig Feuer drin steckte. Ich öffnete.
Damit erfasste mich eine Welle aus Wut und Ärger, ausgedrückt und ausgesprochen von einem Menschen, der ganz offensichtlich mit etwas nicht zufrieden war.
Ich war so überrascht, dass mir tatsächlich nichts einfiel. Ich stand einfach da und hab irgendwie reagiert.
Verhalten und geschockt. Ich spürte die Energie in meinem System, wie ein Feuer, wie ein Vibrieren, wie ein brodelnder Vulkan. Als ich die Türe wieder schloss wusste ich sehr sicher: Das war nicht meine Energie und ich darf hier in liebevoller Klarheit meine Grenzen aufzeigen und wahren.
Doch zuerst war da ja diese Energie in meinem System.
Sie wollte einen Ausdruck finden, sie wollte sich wandeln, Energie will immer nur eins: fließen. Ich setzte mich noch einmal hin und machte für ein paar Minuten eine spezielle buddhistische Praxis, die solche Energien umwandeln kann.
Eine tiefe Klarheit breitete sich in mir aus und ich griff zu Blatt und Papier. Kein Überlegen, kein Suchen von Worten - sie flossen einfach so aufs Papier und ein paar Minuten später war der Brief fertig. Vier klare Sätze.
Was dieses Schreiben auf der anderen Seite auslösen würde, stand nicht in meiner Kraft. Jedoch bot es keinerlei Angriffsfläche, da ich einfach „liebevolle Klarheit“ walten ließ, gepaart mit Mitgefühl und Liebe für mich selbst, meine Grenzen und auch für diesen Menschen, der so voller Wut und Ärger war.
Bereits am nächsten Morgen klingelte es wieder, ganz kurz, fast zaghaft. Ich blieb in der Küche und mein Mitbewohner öffnete die Tür – „Ist Frau Uhl auch zu Hause? – Ich würde mich gerne bei ihr entschuldigen.“
Ich hörte die Worte in der Küche und ging langsam Richtung Türe und traute meinen Augen nicht – dort stand ein komplett verwandelter Mensch. Dieser Mensch entschuldigte sich für sein Verhalten und machte klar, dass das Problem für ihn weiter Bestand habe und er gerne auf das vorgeschlagene, konstruktive Gespräch auf Augenhöhe zurückkommen würde.
Ihm sei eine gute Nachbarschaft wichtig.
Als ich die Türe schloss, war ich genauso perplex wie am Tag zuvor, doch dieses Mal aus einem anderen Grund.
Ich setzte mich hin und lies das Erlebte noch einmal Revue passieren, während mir vor Berührung die Tränen über die Backen liefen.
Was für ein Geschenk, so eine Erfahrung machen zu dürfen. Was für ein Geschenk, eine Praxis als Unterstützung in meinem Leben zu haben, die mich auch in solchen Situationen so sehr trägt und die mir hilft tiefer zu blicken als das, was im ersten Moment scheinbar da ist.
Danke. Danke. Danke.

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Doris (Dienstag, 07 Juli 2026 11:17)
Was für eine schöne Geschichte.
Soooo berührend �