Heute gibt’s wieder eine neue Folge – dieses Mal mit Doris. Ich freue mich schon dich mitzunehmen auf ihre spannende Reise.
Vom Sehen kenne ich Doris schon länger und intensiviert hat sich unsere Verbindung, als ich wieder eine Zeit in Haslach gewohnt habe. Anfangs mit kleinen Gesprächen über den Gartenzaun, später bei Meditationsabenden bis hin zu gehaltenen und geteilten Fühlräumen, die wir uns regelmäßig ermöglichen. Ich bin unglaublich dankbar, dass sich unsere Wege in diesem Leben kreuzen.
Doris ist Mediatorin, mutige Spürende, Kreativ- Schreibende und auch sie wurde letztes Jahr ganz schön herausgefordert und geprüft vom Leben und ihrem Körper.
Doch das erzählt sie uns am besten gleich selbst.
Doris, wie schön, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist für deine Tasse Tee. Wie bist du gerade da?
Ich sitze bei einer Tasse Tee an einem meiner Schreibplätze.
Meinem Körper geht es heute nicht gut. Er schmerzt.
Ich sitze still, höre in mich hinein. Ich bin nachdenklich. Und unruhig. Als ob ich auf etwas warte. Als ob es nicht okay wäre, den Tag ruhig anzugehen.
Heute ist ein Tag ganz ohne Termine, so dass ich EIGENTLICH vollständig entspannen könnte. Aber genau das – Nichtstun und Entspannung – fällt mir unheimlich schwer.
Gleichzeitig weiß ich, ich spüre es ja an meiner unablässigen Körperspannung, dass das Funktionieren nicht mehr möglich ist.
2025 war ein herausforderndes Jahr für dich. Krankschreibung, Erschöpfung und viele Schmerzen im Körper.
Magst du uns da mal mitnehmen?
Ja. Die Frage ist, wodurch begann meine Abwärtsspirale?
Mit Anpassung, Vermeidung und Durchhalten vermutlich.
Das waren Strategien und Muster, die ich kannte. Darin fühlte ich mich sicher. Obwohl ich längst wusste, meine Welt würde immer noch kleiner werden. Ich war sehr erschöpft aufgrund meiner Dauerschmerzen.
Während einer Reha-Maßnahme lernte ich Menschen kennen, mit denen ich üben konnte:
Verdrängtes ins Licht holen. Reden. Mich selbst besser verstehen. Verarbeiten.
Grenzen setzen. Mich zeigen, mit allem, was in mir ist.
Und die Rückmeldung bekommen, ich bin gut, genau so, wie ich bin.
Es ist leichter, Lebensmut zu entwickeln, wenn ich darauf vertrauen kann:
„Ich muss es nicht alleine schaffen.“
Dieser Weg setzte sich dann fort ab Juni 2025, in der Schmerz-Tagesklinik in Lahr.
Deren bio-psycho-sozialer Ansatz hat mir gezeigt, an welchen Stellschrauben ich etwas verändern kann. Seither schaue ich wieder positiver in die Zukunft.
Und ich kam auch zu einer Entscheidung: ich werde nicht mehr an meinen alten Arbeitsplatz zurückkehren.
Und das, obwohl noch nicht klar ist, wohin meine berufliche Reise gehen wird.
Doch in diesem Punkt vertraue ich darauf, dass sich der Weg beim Gehen öffnet.
Denn ich habe im letzten Jahr bereits Weichen gestellt und viele gute Erfahrungen diesbezüglich gemacht.
Körperlich – nun ja – da wünsche ich mir immer wieder und immer noch, dass die chronischen Schmerzen besser werden. Es ist immer wieder ein Wechselbad der Gefühle:
Hoffnung, Enttäuschung, Frust, Trauer, Wut.
Auch wenn ich weiß, dass Akzeptanz der einzige Weg ist…
Es ist schwer.
Welche Erkenntnisse hast du aus dieser turbulenten Zeit mitgenommen und was hilft dir in schwierigen Momenten dich an deine Erfolge und Meilensteine zu erinnern?
Meine neueste Erkenntnis:
Ich bin dankbar.
Dankbar in diesem Staat zu leben und sozial abgesichert zu sein.
Unser Sozialsystem ermöglicht es mir, dass ich Zeit habe zu heilen.
Ich bin dankbar für die Zeit, die ich für mich habe.
Ich nutze die Zeit um zu üben, wie Akzeptanz gelingen kann.
Wie ich wieder zu einem lebenswerten Leben zurückfinde. Vielleicht mit einer neuen beruflichen Ausrichtung.
Wenn das Funktionieren wieder überhand nimmt, versuche ich bewusst, innezuhalten.
Ich habe Zeit für mich. Ich bin sicher. Abgesichert.
Das fühlt sich gut an.
Das beruhigt mich.
Eine Erinnerung an meinen Weg und meine Erfolge ist ein Fotobuch, welches ich für mich selbst gestaltet habe. Mit Inhalten aus der Schmerzklinik, Fotografien und Texte von mir.
Und natürlich hilft es mir auch, meine Erfolge mit anderen Menschen zu teilen.
Alles, was ich teile, prägt sich besser in meinem Gedächtnis ein. Im Gespräch mit Dir, liebe Alexandra, kann es auch sein, dass Du etwas bemerkst, was ich gar nicht als Erfolg wahrgenommen habe.
Du hast vor 4 Jahren eine Ausbildung zur Mediatorin abgeschlossen. Was ist das genau und welchen Wunsch hast du dir damit erfüllt?
Mediation ist eine Methode, die Menschen Raum gibt, eine gemeinsam erarbeitete Lösung für ihre Konflikte zu finden. Ganz besonders in Bereichen, in denen Menschen weiterhin miteinander zu tun haben. In den Familien. Am Arbeitsplatz. Zwischen Nachbarn.
Während Corona, als es nicht möglich war zu reisen, war es mir ein Bedürfnis, dennoch eine Reise zu starten: die Reise zu mir.
Ich wollte etwas lernen, was meinen Talenten entspricht. Talente, die sich weder im beruflichen Kontext noch in meiner Freizeit genug entfalten konnten.
Empathie. Zuhören. Rückmelden, was ich verstanden habe.
Kommunikation.
Gleichzeitig habe ich auch vieles über mich selbst gelernt.
Zum Beispiel, dass ich nicht gerne verhandle, weil mir die Beziehung zu nahestehenden Menschen in der Regel wichtiger ist als die Sache, die ausgehandelt werden soll.
Und genau darum geht es nämlich in der Mediation. Um die Bedürfnisse der beteiligten Personen. Was treibt sie um? Was treibt sie an?
Was hilft dir im Alltag, bei dir anzukommen oder zu dir zurückzufinden?
Das ist eine schwierige Frage.
Es gelingt mir oft nicht gut.
Da ich mich körperlich fast immer in der Überanspannung befinde, tue ich vieles einfach nur, um ... zu… Auch Atemübungen oder Gymnastik. Ich will dann einfach nur meinen gegenwärtigen Zustand verändern. Doch damit komme ich nicht zu mir.
Vielleicht gelingt es mir am besten, wenn ich den folgenden Satz erlaube:
„Ja – ich nehme es an – ich hätte es jetzt gerne anders.“
Dieser Satz öffnet mein Herz. Dann werde ich milder mit mir.
Dann kann sich etwas verändern. Wenn ich aufhöre, mich verändern zu wollen.
Was wünschst du dir für deine Zukunft?
Dass ich vertrauensvoll nach vorne schaue.
Dass ich Wegbegleiter*innen habe.
Dass ich nicht hilfreiche Gedanken ziehen lasse.
Dass ich mir selbst nicht im Wege stehe.
Dass mein Körper und meine Seele noch mehr entspannen lernen.
Dass ich den Mut habe, mich mit meinen Emotionen der Welt zu zeigen.
Durch welche kleinen und großen Dinge wäre unsere Welt ein bisschen besser?
Bücher voller Lebens-Weisheit.
Bücher, die Fragen stellen.
Menschen, die Fragen stellen.
Menschen, die offen sind. Und offen bleiben.
Menschen, die die Andersartigkeit des Anderen als Bereicherung verstehen.

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Geda (Dienstag, 17 Februar 2026 16:56)
Das war ein sehr berührendes, auch bereicherndes Gespräch. Ich habe mich selbst auch teilweise wiedererkannt. Vielen Dank dafür euch beiden.
Brigitte Haas (Sonntag, 01 März 2026 07:52)
Ein sehr bewegendes Interview. Besonders beeindruckt hat mich, wie offen über Schmerzen und Gesundheit gesprochen wurde – ohne Beschönigung, aber auch ohne Resignation. Genau diese Haltung macht Mut und gibt Hoffnung.
Petra Locher (Freitag, 06 März 2026)
Berührend,bereichernd und bewegend
dem kann ich nur zustimmen �
Und MUTIG ��!!!!!!!…..
Ein Gespräch das MUT macht und Zuversicht schenkt….
Nach vielen Jahren chronischen Schmerzen, sind Akzeptans und Dankbarkeit meine wichtigsten Begleiter Tag für Tag�
Lieben Dank Euch Zwei,für das zu Herzen gehende Interview