Eine Tasse Tee mit JOHANNES VOGT

Vor circa eineinhalb Jahren bin ich das erste Mal beim Mantrasingen von Johannes in Oberkirch gewesen. Sabrina hat mich mitgenommen und gesagt: „Das musst du dir anhören. Das ist magisch.“

Genau das war es. Wunderschöne Mantren, begleitet mit Gitarre, Geige, Harmonium und Querflöte.

Johannes ist ein Vollblut- und Vollzeityogalehrer von ganzem Herzen. Er gibt Retreats und Workshops, spielt bei Yogafestivals, organisiert Mantrasingen, gibt Thai Massage Ausbildungen und Indien ist quasi seine zweite Heimat.

Dieses Jahr startet seine erste eigene Yogalehrerausbildung. Wenn er nicht auf der Yogamatte steht, triffst du ihn vielleicht beim Langlaufen, Mountainbiken oder auf den Straßen mit seinem selbstausgebauten, blauweißen Camper-Bus.

Danke Johannes, dass du dir die Zeit nimmst, um mir ein paar Fragen zu beantworten, damit wir in deine Welt eintauchen können.

 

Möchtest du dich kurz selbst einmal vorstellen?

Danke für die Einladung zur Tasse Tee und die lieben, einführenden Worte. Ja, derzeit genieße ich einfach ganz viel meine Heimat im Renchtal und freue mich jetzt auch wenn es wieder wärmer wird.

Mit Yoga und Mantra-Musik fühle ich mich auch nach vielen Jahren des Erforschens und Ausprobierens immer wieder am Anfang und gleichzeitig am Ziel einer Reise. Es hilft mir immer wieder im Ankommen, im Sein, im Genießen, im Loslassen. Das Leben ist ein Prozess und Yoga begleitet mich immer wieder, das gebe ich gerne weiter.

 

Wann war dein erster Kontakt zum Yoga/ zur Welt des Yoga?

In den 90ern praktizierten meine Mutter und meine Schwester bereits Yoga. Auch mein Vater begann sich für Yoga, Mantra und Philosophie zu interessieren und reiste mehrmals nach Indien. Die Entwicklungen zuhause inspirierten mich auch mehr über Yoga zu erfahren. Ich habe immer wieder in der heimischen Bibliothek spirituelle Bücher aus dem Regal gezogen und mich in die Philosophie des Yoga eingelesen. Habe den Erzählungen meiner Eltern gelauscht und empfand auch die Mantra-Musik, die im Elternhaus aus dem CD-Player kam, als sehr angenehm.

In dieser Zeit bin ich viel Skateboard gefahren, lernte E-Gitarre spielen und hatte noch viele andere Interessen, so dass mich eigentlich erst die Sportverletzungen in die Yogastunden meiner Mutter führten, welche die besten Rehamaßnahmen für mich wurden.

 

Was hat Yoga in deinem Leben verändert?

Auf körperlicher Ebene sind die Yogaübungen essentiell für mich, um mich in meinem Körper gut zu fühlen. Doch auch auf mentaler und emotionaler Ebene gibt es mir nach wie vor immer mehr Freiheit.

Die Antworten welche ich durch Yoga bekomme, führen mich immer mehr in eine Eigenverantwortung, mir und meinem Leben gegenüber.

Es ist ein Prozess des Friedenschließens mit der eigenen Biographie.

Ein Lösen von Resonanzen zu Schuld und Unzulänglichkeit.

Gedanken wie: ‚Noch nicht gut genug zu sein‘ kennen wir alle. Ebenso die Idee, dass das Glück irgendwo in der Zukunft liegen würde, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden.

Hier unterstützt mich Yoga immer wieder – einfach mit dem zu sein, was gerade ist.

 

Was bewegt dich aktuell?

Nachdem ich in den letzten Jahren enorm viel gereist bin, waren die letzten 14 Monate sowohl herausfordernd wie auch wohltuend für mich. Doch ich bin in Frieden mit dem was ist und auch sehr dankbar für alles was ich erfahre.

Ich glaube es ist einfach wichtig aktuell zu schauen, was und wer tut mir gut – und was strengt mich an bzw. kostet zu viel Energie.

Es ist eine interessante und fordernde Zeit und wir dürfen darin wirklich achtsam mit uns selbst sein.

Das aktuelle „Corona/Maßnahmen-Thema“ nehme ich wie ein Rauschen eines alten Antennenradio mit schlechtem Empfang wahr.

Es schwingt einfach unüberhörbar mit. Obwohl man immer wieder die Antenne korrigiert, rauscht es immer weiter. Manchmal fällt es ganz schön schwer die schöne bunte Musik des Lebens zu genießen, ohne die Aufmerksamkeit auf das Rauschen zu lenken.

Wird das Rauschen zu stark, ist es einfach an der Zeit den Sender zu wechseln. Dann gehe ich in den Wald oder singe selbst ein Lied.

 

Hast du Vorbilder?

Ich denke, dass wir alle unseren eigenen Weg gehen dürfen. Doch sicher gibt es Menschen, die mich nach wie vor inspirieren, in deren Fußstapfen ich immer wieder trete und dann wieder meinen eigenen Weg gehe.

Da gab es einige Lehrer und Mentoren, die eine Vorbildsfunktion für mich hatten.

Doch das Bild, welches wir früher über ein Vorbild hatten, ist meiner Meinung nach etwas überholt. Ein Vorbild als Ideal ist immer auch Projektionsfläche für unsere eigenen Erwartungen und Wünsche. Enttäuschungen sind immer wieder vorprogrammiert. Gerade in Lehrer/Schüler Beziehungen sind Hierarchieebenen ein Auslaufmodell.

Es ist es sehr schön zu erfahren, dass uns immer wieder herausragende Lehrer auch auf Augenhöhe begegnen und uns ermutigen unserem eigenen Herz zu folgen.

 

Was wünschst du dir für unseren Planeten?

Das Erwachen eines neuen Miteinander im ganzheitlichen Bewusstsein, in dem Platz für Vielfalt und Individualität ist.

Natürlich ist es zu hoffen, dass die großen Krisen unserer Zeit nicht noch von weiteren Krisen überschattet werden, sondern sich auch Lösungen und neue Wege zeigen.

 

Wenn du dich auf drei Dinge festlegen dürftest, was möchtest du deinen Yogamitübenden auf den Weg geben?

Zuhören! Auf die Stimme der eigenen Seele und die Bedürfnisse der Mitmenschen hören. Es geht vielmehr um das Zuhören und dem Anderen das Gefühl geben da zu sein, ohne eine Lösung bieten zu müssen.

Wir können so viel lernen, indem wir still werden und nicht gleich in Aktionismus verfallen.

Vertrauen. Das Leben arbeitet nicht gegen Dich! Loslassen ist Teil des Prozesses – Vertraue in den Flow. Fülle ist eine Haltung dem Leben gegenüber.

Humor. Begegne den Dingen mit Leichtigkeit und Humor, so wird das Leben immer spielerischer.

 

Welches Zitat oder welche Zeilen begleiten gerade deinen Alltag?

Nichts ist so schlimm, dass es nicht auch für etwas gut ist.

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