Eine Tasse Tee mit ARNOLD METNITZER

Ich freue mich sehr heute den ersten Mann in der Serie „Eine Tasse Tee mit…“ willkommen zu heißen. Arnold Metnitzer.

Seine Sicht auf die Dinge hat mich schon früher aufmerksam werden lassen, wobei ich damals ehrlich gesagt nicht so viel damit anfangen konnte. Arnold arbeitete lange Zeit bei Mercedes-AMG in der Nähe von Ludwigsburg, hatte somit einen gut bezahlten Job, viel Verantwortung in seinen Aufgaben und Aussicht auf die nächsten Stufen der Karriereleiter.

Ich erinnere mich noch an ganz bestimmte Fragen, die er sich immer wieder stellte: Wer hat etwas von dem Job, den ich mache? Was erschaffe ich mit meiner Arbeit? Wer wäre traurig, wenn ich morgen nicht mehr hier wäre? Damals habe ich die Tragweite dieser Fragen nicht verstanden und entgegnete meist darauf, dass sich viele Menschen seinen Job wünschen würden. Jetzt, Jahre später kann ich besser nachvollziehen, was er damit wohl sagen wollte.

 

Arnold, magst du dich kurz einmal vorstellen?

Sehr gerne! Ich bin geboren in Österreich, meine Eltern und Geschwister leben nach wie vor dort. Großgeworden bin ich als jüngstes von fünf Kindern auf einem Bergbauernhof in den niederen Tauern. Das ist ziemlich ab vom Schuss, dafür aber sehr idyllisch und mit allen Freiheiten, die man sich als Kind nur wünschen kann. Nach einem technischen Studium in Graz wollte ich das Ausland kennenlernen. Weiter wie bis Deutschland habe ich es allerdings nicht geschafft. 2011 bin ich nach Ludwigsburg gezogen und seitdem lebe und arbeite ich im Süden von Deutschland. Ich bin super gerne in der Natur. Bergwanderungen und Kletter-Ausflüge sind die Dinge, die mir am meisten Freude bereiten. Ich liebe es an Orten zu sein, an denen man für sich alleine sein kann.

Eine lange Wanderung und auch die Kletterei hat etwas Meditatives, wenn man sich darauf einlassen kann. Außerdem mag ich – speziell beim Klettern – Situationen in denen es darauf ankommt, was man in einem speziellen Moment an Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Ich genieße Reisen an fremde Orte und mag es andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Abseits davon bin ich ein gemütlicher Zeitgenosse, der sich abends gerne mit einer Tasse Tee in seinen Sessel fläzt und einfach mal nur ein Buch liest.

 

Nimm uns mit in den Tag, als du dich entschieden hast Deinen langjährigen Job zu kündigen. Was hat diese Entscheidung mit dir gemacht?

Unser Verstand ist faszinierend. Er findet in sehr kurzer Zeit viele Gründe warum es vielleicht nicht die beste Idee sein könnte, eine Veränderung einzuleiten. In dieser Gedanken-Mühle war ich sehr lange Zeit gefangen. In Summe war ich über sieben Jahre bei derselben Firma und die letzten zwei bis drei Jahre hatte ich oft mit dem Gedanken gespielt zu kündigen. Eine Frage, die mich schlussendlich gerettet hat, war „Was ist das Schlimmste das passieren kann?“. Das klingt erst mal nach einer nicht besonders förderlichen Frage. Aber sie hat mir geholfen festzustellen, dass absolut gar nichts Tragisches passieren wird, falls die Entscheidung nicht gut gewesen wäre. Diese Frage half mir – und ich glaube sie kann jedem irgendwann helfen – die Angst vor einer Veränderung loszuwerden. Oft sehen wir bei Veränderungen vor allem Risiken. Das kann uns ein- oder gar ausbremsen. Nach einem langen Spaziergang in einer sehr kalten, klaren Nacht hatte ich die Kündigung geschrieben. Ich war wie befreit. Es war ein wirklich tolles Gefühl, weil ich endlich den Mut gefunden hatte das gemütliche, warme Nest zu verlassen und mich auf Neues einzulassen.

Ich glaube jeder Mensch definiert Erfüllung, Glück oder Erfolg anders. Für mich war es definitiv ein Erfolg nach so langer Zeit einen ausgetrampelten Pfad zu verlassen und für mich selbst einen anderen Weg zu finden.

 

Wie sieht dein aktuelles (Berufs-)leben aus und in welche Richtung geht es weiter?

Derzeit lebe ich auf der schwäbischen Ostalb und habe im meinem nahen Umfeld ausreichend viele Felsblöcke um mich in meiner Freizeit im Sportklettern auszutoben. Weil 2020 ein sehr spezielles Jahr war, hatte ich die Möglichkeit ab März ortsunabhängig zu arbeiten. Das hat dazu geführt, dass ich viele Monate in Österreich verbringen durfte. Der neue Job als Projektleiter in der High-Tech-Industrie ist Woche für Woche eine neue Challenge und macht auch sehr viel Spaß, weil ich einiges dabei lerne. Für mich ist die Vorstellung meiner beruflichen Selbstständigkeit trotzdem immer noch attraktiv. Ich bin gespannt ob ich diesen Schritt gehen werde und wenn ja, mit welcher Ausrichtung. Das gerade begonnene Jahr wird sicher viele Chancen und schöne Momente bieten. Wenn es die Umstände zulassen, würde ich gerne eine Fernreise nachholen, die vergangenes Jahr gestrichen werden musste. Und wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt, werde ich mit meiner Freundin in ein gemütliches Haus ziehen.

 

Was sind Vorhaben und Visionen, die du in deinem Leben noch umsetzen möchtest?

Eine Vision ist für mich die lebendige Vorstellung meiner eigenen Zukunft. Das beinhaltet ein unabhängiges Leben, in dem ich darüber entscheiden kann, wo ich sein und was ich tun will. Das geht gar nicht so sehr in Richtung perpetual traveller oder digitaler Nomade. Aber durchwegs selbstbestimmt und flexibel darf es dann schon sein. Dafür arbeite ich seit mehr als vier Jahren an meiner finanziellen Unabhängigkeit. Ich habe noch einige tolle Projekte im Klettersport, die ich durchziehen will und auf ich die hinarbeiten kann. Länger dauernde Reisen, zu Fuß, mit dem Bus oder dem Rad, stehen ebenfalls noch auf der Liste. Für etwas später habe ich einen Rückzugsort in den Bergen, eine wahre Kraftquelle, im Sinn. Und sehr viel später will ich körperlich und mental gesund im Alter bleiben. Die Basis dafür ist meiner Meinung nach bereits jetzt ein gesundes, aktives Leben zu führen.

 

Wer oder was inspiriert dich?

Mich inspirieren mutige Menschen. Menschen, die sich nicht durch ihre Glaubenssätze einschränken lassen. Und mich inspirieren Macher. Leute, die auch nach Rückschlägen positiv bleiben, etwas lernen und unbeirrt weitermachen. Es ist immer wieder bewundernswert Menschen zu sehen, die ihrem Leben selbst so viel Bedeutung und Sinn gegeben haben, dass es keine Ablenkungen mehr für sie gibt. Sie sind nicht rücksichtslos, aber sehr klar und bestimmt auf ihrem Weg.

 

Stell dir vor du dürftest einen Vortrag vor 1000 Menschen halten. Über was würdest du sprechen?

Ich würde wahrscheinlich gar nichts rausbekommen, weil ich solchen Bammel hätte loszulegen. 😊 … Ein wichtiges Thema für mich ist, dass wir als Gesellschaft wieder lernen sollten zuzuhören und aufeinander zuzugehen. Gerade das letzte Jahr hat die Notwendigkeit dazu nochmal deutlich erhöht. Ich glaube wovon wir alle etwas hätten, wäre mehr Vertrauen und weniger Misstrauen. Kooperation statt Konkurrenz. Und guter Wille und Freundlichkeit, statt Schutz und Abschottung. Dazu würde ich etwas sagen wollen.

 

Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?

Erholt aufwachen und erfreut feststellen wie viel Glück ich im Leben habe, eine kleine Movement-Session, danach für ein paar Minuten meditieren, ein Zitronen-Wasser, zwischendurch der Blick aufs Meer oder in die Berge, kalt-warm duschen, lesen, ein leckeres und ausgedehntes Frühstück, kreativ arbeiten, der Duft und Geschmack von Kaffee, Zeit für gute Gespräche mit meiner Freundin, die erfreuliche Überraschung wenn jemand anruft, an den man kürzlich gedacht hat, eine Runde Klettern mit guten Freunden, Zeit für Partnerschaft und Familie, eventuell ein gemeinsames Essen kochen und genießen, abends mein Tagebuch schreiben, und zuletzt noch anregende Gedanken aus Büchern aufschnappen um müde und zufrieden einzuschlafen. 

 

Und zum Schluss, hast du ein Lieblingszitat oder ein Lebensmotto?

Denke „ich kann es“ oder „ich kann es nicht“. In beiden Fällen hast Du recht.

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Kommentare: 3
  • #1

    Anja (Freitag, 29 Januar 2021 13:04)

    So ein schönes Interview!
    Ich liebe Deine Fragen!

  • #2

    Geda (Freitag, 29 Januar 2021 16:00)

    Hab es genossen, das Interview zu lesen. Hoert sich für mich so an, als wären da die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt gefallen.

  • #3

    Mechthild (Montag, 01 Februar 2021 10:27)

    Du hast - durch deine guten gezielten Fragen - gute Antworten aus Arnold herausgelockt.Der Mann ist sehr sympathisch und der ganze Bericht ist sehr interessant. Danke.